DIE GESCHICHTE ZUM REZEPT

„Du kochst ja…“

„Klar, ich hab Hunger.“

„Ja, schon klar. Ich meinte, du kochst ja so richtig. Mit Zutaten.“

Vielleicht dauerte es wegen dieser Art von Gespräch eine Weile, bis meine erste Mitbewohnerin und ich uns etwas zu sagen hatten. Ich war Anfang 20, sie Anfang 30. Ich hatte zwar angeboten, ihren Hund gelegentlich zu hüten, aber eher wegen des Hundes als ihretwegen. Und jetzt war ich ihr auch noch suspekt, weil ich… kochte. Na toll. Ich war doch gerade frisch bei ihr eingezogen.

nudelpesto-paprika-ricotta-pinienkerneGanz ehrlich? Als wir uns damals diese Wohnung teilten, lieferte ich am Herd immerhin schon eine brauchbare Performance ab. Aber gelegentlich kamen immer noch richtig fiese Sachen aus dem Topf. Die schlimmste Erfahrung dieser Art war ein Versuch, Köttbullar für sie, mich und zwei Gäste zu machen. Hätte ich vorher mal ausprobieren sollen, dieses bescheuerte Rezept. (Ja, natürlich war das Rezept für die Misere verantwortlich!) Nachdem alle den Fehlschlag von Sauce analysiert und festgestellt hatten, dass der Patient eigentlich bereits tot war, kippte sie aus einer Laune heraus Curry-Frischkäse (?!) rein. Netter versuch… aber danach wollte nun wirklich niemand mehr das Zeug auch nur ansehen. Immerhin – sie und die Gäste lachten mich herzlich aus und es begann bald danach die Zeit, in der sie sich jeden Abend auf mein Bett schmiss und wir uns stundenlang über den Tag unterhielten.

An diesem Abend kam sie mir das erste Mal mit einem fertigen Paprikapesto im Glas, das ich zuerst ganz schön eklig fand. Bis ich dann im Winter derart erkältet war, dass ich nicht ganz nachvollziehen konnte, wieso ich noch lebte. Normalerweise kochte bereits ich für uns. Regelmäßig. An diesem Tag hätte es aber nur Bakteriensuppe gegeben, hätte ich das versucht. Kein Problem – sie kocht! „Okay. Verdammt. Naja. Sie meint’s gut. Freu dich einfach, dass du jetzt nicht selber kochen musst“, dachte ich, als sie mir ein Schälchen mit… Pestonudeln brachte.

paprikapesto-calabreseErstaunlicherweise schmeckte das Pesto Calabrese aus dem Glas gar nicht doof.

Ach, sind wir schon an der Stelle, an der ich die unangenehmen Geständnisse ablege?

Naja. Bringen wir das hinter uns. Seitdem habe ich selber immer ein Glas Nudelpesto im Schrank stehen. Falls mich mal etwas vom Kochen abhält. Da das Pestoglas aber monatelang auf seinen Einsatz wartet, weil ich ja doch immer frisch koche, muss es die Fertigvariante mit Konservierungsstoffen sein. Eine selbst gemachte Variante hält sich einfach nicht lang genug.

nudelpesto-geroestete-paprikaAber was, wenn man dann eines Tages so richtig Lust auf ein scharfes Paprikapesto zu Nudeln kriegt? Glas hervorholen? Na, sicher nicht. So schwer kann das nicht sein, Paprikapesto bekomme ich hin. Kurzer Blick auf die Inhaltsstoffe. Alles Künstliche rausgedacht. Packen wir’s an.

Was du brauchst, sind einige geröstete oder gegrillte Paprika- und Chilischoten, viel Pfeffer und noch mehr Käsezeug, Ricotta und Parmesan und vielleicht noch Pecorino. Das geschmackliche i-Tüpfelchen bringst du mit Pinienkernen ins Spiel, die du am besten gleich mit anröstest. Das schnelle Notfall-Abendessen ist mein selbst gemachtes Pesto Calabrese damit nicht mehr, aber es steckt auch wieder nicht so viel Arbeit dahinter und geschmacklich ist es um Welten besser als der Inhalt eines Glases.

paprika-ricotta-pestoDas geschmackliche Geheimnis ist das Rösten der Zutaten. Jedes andere Rezept für Paprikapesto wird dir wahrscheinlich raten, die Paprika danach zu schälen. Bei genauem Hinsehen erkennst du in meinem Glas aber noch rote Stückchen von der Paprikahaut. Ich finde ihren intensiven Paprikageschmack nach dem Rösten einfach zu köstlich zum Verschwenden! Wenn du das willst, achte nur darauf, dass die die Paprika- und Chilischoten beim Rösten nicht verbrennen. Ich habe es mal mit und mal ohne Schälen probiert… ungeschälte Paprika, Chilis oder Peperoni machen das Pesto um Welten besser. Je schärfer übrigens die Schote, desto schärfer das Ergebnis. Aber das weißt du ja selber.

Da du keine Nudeln mit Paprikasaft willst, kommt in die pürierte Röstpaprika als nächstes viel Ricotta, Parmesan und Pecorino Romano. Wir arbeiten bei Paprikapesto wieder mal nach dem Prinzip: wenige Zutaten. Du merkst, worauf es hinausläuft? Genau. Du suchst deinen Käse (vielleicht bis auf den Ricotta) nicht im Kühlregal, sondern an der Käsetheke. Wenn du keinen Bock hast, das Zeug selber zu reiben, lass die das machen.

nudel-pesto-geroestete-paprikaDie Pinienkerne werden das Paprikapesto etwas krümelig machen, auch zu viel Parmesan oder Pecorino machen es eher trocken. Da es „zu viel Käse“ aber nicht gibt, greifen wir jetzt zum Olivenöl. Einige Teelöffel davon sollten ohnehin im Pesto Calabrese landen, für die richtige Konsistenz dürfen es auch ein paar Teelöffel mehr werden. Reine Geschmacksache. Wenn du dein Pesto als Brotaufstrich benutzen willst, brauchst du weniger, da du die käsige Konsistenz dann willst. Als Nudelpesto habe ich es aber schon gern etwas flüssiger. Und wer sagt zu Olivenöl schon nein? Es ist gesund, es ist lecker… und du darfst es keinesfalls mitpürieren.

paprika-ricotta-pinienkern-nudelpestoWas? Nicht mitpürieren?

Richtig.

Du rührst das Olivenöl ganz zum Schluss langsam und vorsichtig mit einem Löffel unters Paprikapesto. Dann, wenn Paprika, Chilis, Peperonis, Pinienkerne und all das zur rot-orangefarbenen Nudelsaucenmatsche püriert sind, die deinen Vorstellungen von einem guten Pesto entspricht. Olivenöl macht die Sache sonst bitter und dein liebevoll zubereitetes Abendessen wird fürchterlich fies und eklig schmecken.

Obwohl ich mein Paprikapesto in einem Glas abgelichtet habe, ist es nichts für lange Wochen im Kühlschrank. Wenn du sowieso gerade Schoten röstest, verdopple die Menge deiner Zutaten und mach ein Glas mehr. Iss es aber innerhalb der nächsten Wochen und halte es kühl und verschlossen. Ist aber auch nicht weiter schlimm.

Du hältst es sowieso nicht aus, bei jedem Öffnen des Kühlschranks diese rote Schweinerei zu sehen und sie nicht zu verputzen. Pur. Mit Löffel. Wer braucht schon Nudeln, wenn’s Paprikapesto mit Unmengen Käse und Olivenöl gibt? 😉

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Paprika-Pesto Calabrese: Nudelpesto, Brotaufstrich...
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Den Backofen auf 220°C vorheizen.

Die Paprika, Peperoni & Chilischoten halbieren oder vierteln. Mit der Haut nach oben auf ein Backblech legen. 30-45 Minuten rösten.

Das leicht abgekühlte Gemüse fein pürieren. Die Pinienkerne dazugeben und mitpürieren.

Ricotta, Parmesan & Pecorino unterrühren.

Olivenöl bis zur gewünschten Konsistenz mit dem Löffel unterrühren.

Nach Geschmack salzen & pfeffern.

Das fertige Paprikapesto in Gläser abfüllen oder über Nudeln geben. Nicht mitkochen oder wieder aufwärmen!

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