DIE GESCHICHTE ZUM REZEPT

Der Januar ist – gemeinsam mit dem Februar – einer der Monate, mit dem ich wirklich nicht warm werde. Finde den Witz. Warm. Januar. Ha, ha.

In meinem neuen Job komme ich verflucht früh ins Büro. Mein Tag beginnt, bevor die Sonne überhaupt wach ist, das faule Stück. Das heißt: Kälte, Finsternis, die Hölle ist noch zugefroren. Er endet weit, nachdem die Sonne Feierabend hat. Und dann will der Beagle ja auch noch raus. Und Essen muss auf den Tisch. Richtiges Essen. Geschmacksneutrale Tütchen-Pampe braucht nach solchen Tagen wirklich niemand.

sherrysauce-rosmarin-roastbeef-yorkshire-puddingDas sind Faktoren, die in der Summe echt anstrengend sein können.

Um das fehlende Tageslicht zu ersetzen, das uns im Hochsommer über die Runden hilft, fressen wir uns im Winter eben die Bäuche voll. Nicht nur viel Futter muss es dann sein, damit wir uns gut fühlen, sondern hauptsächlich heißes, richtig gutes Futter.

Der Mann arbeitet jetzt weit, weit weg auf dem Land im Dorf hinter Nirgendwohausen-Hintertupfingen OT Hintermmond. Das ist in der Hinsicht der Fleischbeschaffung nicht so schlecht, wie es klingt, denn er bringt uns alle paar Wochen aus der Dorfmetzgerei Fleisch mit.

Richtig. Gutes. Fleisch. Von Viechern, die in ihrem Leben auch schon frischere Luft gerochen haben als muffigen Stallgeruch mit einem ranzigen Hauch von Eau de Pipikacka. Wenn du das gegessen hast, willst du kein Supermarktfleisch mehr.

sherrysauce-roastbeef-yorkshire-puddingsAls der Mann zum ersten Mal Fleisch mit nach Hause brachte, war es ein Stück duftendes Roastbeef.

Und daraus wird auch echtes Roastbeef gemacht. Keine Diskussion. Noch schnell etwas Rosmarin von draußen holen, denn seltsamerweise widersteht unser Balkonpflänzchen selbst sibirischen Minusgraden. Und die Beilage? Die muss genauso gut sein, damit sie überhaupt noch jemand mit dem Allerwertesten anschaut. Ich wollte schon immer mal selber Yorkshire Puddings ausprobieren. Kennste nicht? Klar, du bist vermutlich auch kein Brite. 😉

yorkshire-puddingsSo ein Stück Roastbeef gibt nicht wirklich viel Fleischsaft ab. Umso wichtiger ist es, dieses bisschen Fleischsaft beim Garvorgang aufzufangen, denn diese Zutat macht aus den Yorkshire Puddings erst richtig gute Yorkshire Puddings. Hätte ich mich dazu entschieden, diesen Blog in meiner Muttersprache Englisch zu schreiben, wüsste jeder meiner lieben Leser, was Yorkshire Puddings überhaupt sind.

Ich habe dich trotzdem lieb, auch wenn du gerade angestrengt versuchst, die gelben Puffdinger auf dem Teller mit etwas dir Bekanntem zu vereinen.

Geh in die nächstbeste UK-Eckkneipe, bestell dir Sunday roast und du bekommst eine Portion Braten – und diese aufgepufften Tellerkissen. Sie bestehen aus Mehl, Eiern und Milch, etwas Salz und Pfeffer, vielleicht einem Schuss Muskatnuss und definitiv auch aus Fett. Statt Fett wollte ich aber etwas, das mehr/geileren Geschmack gibt, da sie sonst ohne eine gute Sauce richtige kleine Langweiler sein können. Deswegen… Fleischsaft auffangen.

rosmarin-roastbeef-niedergarmethodeAls unkomplizierte Beilage für einen Braten oder Derartiges eignen sich Yorkshire Puddings deswegen so gut, weil du sie wunderbar zwischendurch vorbereiten kannst, während das Roastbeef seine paar Stunden im Ofen verbringt. Der Teig muss eine Weile ruhen, am besten eine halbe Stunde gekühlt, nachdem du ihn angerührt hast. Du kannst sie in einer Muffinform ohne Förmchen machen, die du vorher in den Ofen stellst und dann einfettest. Das Fett muss zischen, wenn du es in die Form gibst. Sonst werden die kleinen Lieblinge nichts. Bestenfalls schaffst du es, dass die Ränder der Yorkshire Puddings beim Eingießen in die Muffinform schon ein bisschen anbacken, weil du deiner Muffinform gut eingeheizt hast. Aber ganz ehrlich? Ich hab’s nicht geschafft, das mit dem Anbacken beim Teigeingießen – und die Teile sind trotzdem was geworden. Sie werden kurz, nachdem sie in den Ofen geschoben wurden, unglaublich lecker riechen. Lass dich bloß nicht dazu verführen, die Ofentür zu öffnen. Sie fallen sonst zusammen wie deine Träume nach dem baldigen Gewinn einer dreimonatigen Südseereise.

roastbeef-rosmarin-streifenOkay, genug von Beilagen. Es geht dir doch eh nicht um die doofen Yorkshire Puddings, sondern um das Roastbeef.

Schau es dir an. Außen gebräunt, innen rosig. Ich bin so gut. Okay, und ruhig bin ich jetzt auch, hier riecht’s auf einmal so seltsam nach Eigenlob.

Tatsächlich ist Roastbeef gar nicht so schwer. Deinen Ofen stellst du auf konstante 80°C ein. Dann wiegst du dein Stück und merkst dir das Gewicht, denn das brauchen wir für die Roastbeef-Mathematik. Vorher reibst du das gute Stück in etwas wie Rosmarin ein und brätst es scharf in Butterschmalz an, denn du willst eine vernünftige Kruste. Und jetzt kommt’s drauf an.

roastbeefFür 2-3 kg, in etwa das, was die meisten Metzgereien dir andrehen dürften, brauchst du 5-6 Stunden. Damit kannst du ausrechnen, was du für dein Stück brauchst, sollte es größer oder kleiner sein. Ich war anfangs etwas unsicher, ob ich mit dieser Rechnung hinkomme, da unser Roastbeef nicht nur weniger, sondern auch dünner war. Außer, dass es deshalb in Streifen statt dünnen Scheiben endete, machte das aber keinen Unterschied. Einwickeln brauchst du es nicht, aber es sollte die nächsten Stunden in einer Form verbringen, die den Fleischsaft aufsammelt.

roastbeef-sherrysauceEinen männlichen Esser kann man sicherlich mit Fleisch allein zufriedenstellen. Ich hatte aber erstens noch dieses Sherry-Fläschchen im Regal stehen und zweitens große Lust, es zu öffnen. Also musste noch eine leckere braune Sherrysauce her.

roastbeef-streifenDas spritzige Sößchen kann den Ablauf stressig machen, wenn du es nicht einplanst.

Deswegen holst du zuerst das fertige Roastbeef aus dem Ofen, schneidest es und bringst es vor Männern, Hunden und sonstigen Lebewesen in Sicherheit, die es dir aus der Hand fressen würden. Dann schiebst du die Yorkshire Puddings in den Ofen. Und während sie ausbacken, kochst du die Sherrysauce.

yorkshire-puddings-roastbeefDu beginnst mit etwas, das den schicken Namen Roux brun trägt. Das ist geschmolzene Butter, in die du nach und nach Mehl einrührst, bis daraus etwas Braunes und möglichst Klumpenfreies wird. Damit es wirklich klumpenfrei wird: rühr um dein Leben! Der Inhalt deines Topfs nimmt dabei nach und nach die Farbe von Butter und dann von Toffee an. Lass die Roux ruhig eine Weile auf niedriger Hitze weiterarbeiten, denn je dunkler sie wird, desto dunkler wird deine Sherrysauce. Wenn die Farbe deine Definition von sattem Braun trifft, löschst du sie mit Rinderfond bei Zimmertemperatur ab. Merken. Zimmertemperatur. Kalt macht Klumpen. Wenn du Glück hast, hat dir dein Roastbeef zum Ablöschen sogar genug Fleischsaft spendiert. Dann machst du mit Sherry und etwas saurer Sahne weiter. Salz und Pfeffer dazu… spätestens jetzt wird sich der fleischhungrigste Kerl überlegen, ob er wirklich nur Roastbeef will.

Das Sherry-Fläschchen von Marques Campoalto gehört übrigens zu meinen Lieblingen in der alkoholischen Küche. Seitdem ich letztes Jahr das erste Mal mit Marques Campoalto einen Schweinebraten mit Portwein-Johannisbeer-Sauce ausprobiert habe, bin ich qualitativ überzeugt. Was ich mindestens genauso schlau finde, ist die Größe dieser Fläschchen. Ich trinke sehr, sehr wenig Alkohol und brauche keine Alkoholiker-Größen, die dann jahrelang ein trauriges Dasein in meinen Schränken fristen. Diese Fläschchen hier kippst du in deine Saucen oder Teige, hebst dir die letzten Tropfen zum Pur-Trinken auf – und das war’s. Keine nicht benötigten Alkoholreste.

emma-mit-roastbeefWährend ich unser Roastbeef fotografiert habe und die ganze Wohnung herrlich nach Sherrysauce duftete, entstanden dieses Mal nicht nur Food Pics. Seitdem ich mein Wölfchen habe, sitzt sie je nach prozentualem Fleischanteil meiner Foodblog-Leckerlis schon mal traurig daneben und singt mir vor, wie gerne sie ein Stück davon hätte.

Ja. Sie hat etwas abbekommen. Ein Stück, das ich bei der Zubereitung vom Rest abgeschnitten und extra für sie ohne Rosmarin zubereitet habe.

Werbehinweis: Dieser Post entstand für Marqués Campoalto, es wird mehrfach darauf verlinkt. Der Sherry wurde mir zudem zur Verfügung gestellt.

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Recipe Name
Rosmarin-Roastbeef, Yorkshire Puddings & Sherrysauce
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Den Ofen auf 80°C vorheizen.

Das Roastbeef waschen und mit Rosmarin, Salz & Pfeffer bestreuen. In einer Pfanne in Butterschmalz scharf auf allen Seiten anbraten. Danach in eine Auflaufform oder Bräter legen und in den Ofen stellen.

Für 2-3 kg Roastbeef (innen rosa) ist mit 5-6 Stunden zu rechnen.

In der Zwischenzeit Mehl, Eier, Milch, Salz und Pfeffer in einer Schüssel verrühren. 200 ml Rinderfond und/oder aufgefangenen Fleischsaft zugeben. Das Ganze mindestens 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen.

Das Roastbeef aus dem Ofen nehmen, schneiden, in Alufolie wickeln und beiseite stellen.

Den Ofen auf 240°C vorheizen und dabei die Muffinform in den Ofen stellen. Vorsichtig herausnehmen, fetten und den Teig für die Yorkshire Puddings eingießen. 20-25 Minuten bei 230°C im Ofen backen. Die Tür darf keinesfalls vorher geöffnet werden!

Butter in einer kleinen Sauciere erwärmen und mit dem Schneebesen Mehl einrühren, bis die Mischung braun wird. 200 ml Rinderfond und/oder aufgefangenen Fleischsaft bei mind. Zimmertemperatur eingießen. Mit Marques Campoalto Sherry ablöschen. Saure Sahne, Salz & Pfeffer zugeben und einige Minuten auf schwacher Hitze köcheln lassen.

Roastbeef, Yorkshire Puddings & Sherrysauce auf dem Teller anrichten und servieren.

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