DIE GESCHICHTE ZUM REZEPT

Gemüse ist immer eine Herausforderung.

Bei Kartoffeln, Grünkohl oder Paprika besteht die Herausforderung darin, sich für ein Rezept von vielen zu entscheiden, in welches sie passen. Gemüsesorten wie Rotkohl dagegen würde ich gern viel öfter verarbeiten – und das ist dann die andere Seite der Herausforderungs-Medaille. Denn es stellt sich die Frage: „Was mache ich jetzt aus dir?“ Für einen Food Blogger sollte das aber keine unüberwindbare Hürde sein. Deswegen dachte ich mir, der hübsche Rotkohlkopf kommt jetzt erst mal mit nach Hause, bevor ihn jemand anderes kriegt, der das arme Ding totkocht, und dann sehen wir weiter.

rotkohl-pasta-parmesan-birneNun hatte ich meine erste Berührung mit Rotkohl eher im chemischen, experimentellen Sinne. Mit dem Kochwasser von Rotkohl kann man ja auf Säuren und Basen testen und das soll man als Kind voll toll und spannend finden. Fast jeden Sonntag gab es Rotkohl, der als zerkochtes lila Häufchen Elend neben dem Sonntagsbraten auf dem Teller landete – in dieser Form rührte ich das Zeug nicht mehr an. Mir wurde aber zugetragen, dass ich ihn roh wie ein Mähdrescher verschlungen haben soll. Ob ich damals schon ahnte, dass er als Rohkost eh viel gesünder ist…?

Dieser Umstand machte Rotkohl für mein 25-jähriges Ich nun doch wieder interessant. Ich kremple ja gern alles Traditionelle um und entdecke Wege, Zutaten aus den Kochbüchern unserer Omas neu zu verwursten, sodass sie unserem 21st century-Geschmack entsprechen. Dabei fielen mir dann Bratwürste ein. Jeder Nürnberger kennt die „3 im Weggla“: das sind Nürnberger Rostbratwürste, 3 an der Zahl, die man im Brötchen mit Senf oder Ketchup an jeder Ecke in der Innenstadt kaufen kann. Selbstverständlich gibt es sie auch abgepackt im Supermarkt.

rotkohl-pasta-birne-bratwurstAbends koche ich aber nun mal gerne, eine Bratwurst und ein Brötchen sind deswegen kulinarisch unbefriedigend. Sie würden sich also wohl mit dem Rotkohl arrangieren müssen. Traditionell und traditionell. Langsam mussten andere Einflüsse in dieses Rezept.

Gesagt, getan: Nudeln, eine Birne, frisch gehobelter Parmesan und Orangensaft kamen auch noch mit in den Einkaufswagen. Eine Orangensauce würde schon irgendwie passen zu den deftigen Zutaten, und der Parmesan täte den Nudeln gut.

rotkohl-nudeln-bratwurst-orangensauceDie Nudeln sehen witzig aus, oder? Es sind Radiatori, sie sind erstens rund und zweitens mit diesen Wellen überzogen, was bedeutet, dass sie Koryphäen darin sind, eine Sauce aufzunehmen. Jedes. Einzelne. Tröpfchen. Da diese Orangensauce zugegebenermaßen etwas flüssig wird, sind saucendurstige Nudeln eine gute Idee.

rotkohl-birnen-pasta-bratwurst-parmesanMeine Rostbratwürste habe ich in Scheiben geschnitten, was im Nachhinein aus dekorativen Gründen nicht schlau war. Zum anschließenden Verschlingen war das aber wiederum nicht schlecht.

Und das Geschmackserlebnis?

Bratwurst ist und bleibt Bratwurst. Klar hätte man sie im Ofen zubereiten können, aber ausnahmsweise wollte ich ja ein wirklich deftiges Element. Und das war sie auch. Den Rotkohl habe ich nur wenige Minuten gekocht – mein Ziel war, dass er warm wird. Dadurch sah er erstens gut aus und war zweitens noch wunderbar knackig, was diesem Rezept Biss gibt. Einen Teller Matsch tischst du hiermit garantiert nicht auf. Die Birne war verhältnismäßig neutral, aber das passte wieder gut zu all den Geschmäckern auf diesem Teller. Parmesan und Orange brachten eine wirklich angenehm frische Note ins Spiel, die auch notwendig war. Passend zur Jahreszeit: nicht mehr ganz Winter, aber auch nicht Frühling. Nur eine leise Ahnung von beidem.

Falls du nicht aus Nürnberg kommst oder keine Rostbratwürste magst, könnte ich mir das Ganze auch mit Chorizo oder Fenchelbratwürsten gut vorstellen. Oder du verzichtest ganz drauf, geschmacklich spannend bleibt’s. Lass es dir schmecken!

Den Rotkohl hacken und wenige Minuten in Salzwasser kochen. Abgießen und beiseite stellen.

Die Nudeln nach Packungsanweisung zubereiten.

Die Bratwürste in Olivenöl anbraten. Entweder in Scheiben schneiden oder ganz lassen.

Die Schalotte fein hacken und anbraten. Orangensaft, Salz und Pfeffer hinzugeben, etwas Parmesan in die Sauce geben. Die Birne würfeln und auf schwacher Hitze erwärmen. Den Rotkohl zum Schluss zugeben und von der Hitze nehmen.

Mit Parmesan bestreuen und mit Nudeln und Bratwürsten servieren.

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