DIE GESCHICHTE ZUM REZEPT

Es ist Sonntag. Von Frühling nicht die leiseste Spur (die paar morgendlichen Sonnenstrahlen beim Kaffeemachen, die durch die Balkontür in die Küche fallen, zählen nicht!). Und der Mann stänkert, es habe vergangene Woche viel zu wenig Tierisches gegeben.

Fassen wir zusammen: es ist höchste Bratenzeit! Der geneigte Leser fragt sich jetzt: Braten? Du?

Jepp. Den hier.
portwein-johannisbeer-bratensauce minze schweinebraten polentaDu bewunderst einen fettarmen Schweinelachsbraten in einer fruchtigen Portwein-Johannisbeer-Bratensauce mit Knödeln aus Parmesan-Polenta. Also hab keine Angst, mir geht’s gut. Extrem gut.

marques campoalto port tawnyAußer dem unterfleischten Mann führte auch diese kleine Entdeckung zu dem Schweinebraten: ein wirklich gut schmeckender Portwein von Marqués Campoalto. Dieser Portwein stammt bei genauerem Hinsehen nicht nur aus seiner Heimat Porto, wie es sich gehört – er wird in 100 ml-Flaschen abgefüllt. Wenn du wie ich kein Alkoholiker bist, verzichtest du zu deinem großen Frust auf gute Rezeptideen mit prickelndem Abgang, nur weil die dazugehörige Alkohol-Flasche zu groß für deinen Bedarf ist und die Sauce ohne den Alkohol keinen Spaß macht. Was habe ich schon oft entnervt eine Idee sein lassen, nur weil ich keine milchtütengroße Alkoholflasche über Monate in der Küche stehen haben wollte!

schweinelachsbraten tawny portwein johannisbeer bratensauceAlso, Portwein. Der ist ziemlich süß. Gönn dir einen Schluck, wenn du ihn öffnest. Nicht, weil du im Herzen zur Schnapsdrossel wirst, wenn du einen guten Drink erschnupperst (was bei dem verführerisch süßen Duft nicht ganz unverständlich wäre), sondern um ein Gefühl für den Portwein zu bekommen. Diese Süße habe ich mit sauren roten Johannisbeeren, dem deftigen Bratensatz mit Bratenfond und dem Saft und Zeste einer Orange abgerundet. Einige Minzblätter hatte ich gerade übrig und habe diese aus einer Idee heraus fein gehackt in die Portweinsauce gegeben, nur damit sie nicht ganz so schwer wird. Mehr Minze hätte es nicht sein dürfen, aber sie hat der Sache gut getan.

schweinebraten portwein johannisbeer bratensauce polenta-parmesan-klösseDie Johannisbeersauce war alleine zum Schweinebraten schon extrem gut. Die Polenta-Knödel machten sie ehrlich gesagt aber fast noch mehr zum Erlebnis. Ich war mir anfangs nicht sicher, ob Parmesan-Polenta das Richtige zu dieser Sauce ist – im Nachhinein sage ich aber, es hätte nichts anderes sein dürfen.

schweinebraten johannisbeer portwein sauceEin Schweinelachsbraten ist übrigens kein typischer Schweinebraten. Mit Fettstücken und alldem. Erstens mag ich das nicht, das ist eine anerzogene Sache. Meine Mutter hat früher die fettigen Stücke vom Fleisch abgeschnitten und so empfinde ich das bis heute als unerfreulich, ein Stück Fett im Mund zu haben. Zweitens braucht ein Schweinelachsbraten nicht so lang wie ein anderes Stück, da er so fettarm für schweinische Verhältnisse ist. (Natürlich ist sein Fettgehalt immer noch nicht einem Hähnchen gleichzusetzen…) Das hübsche 1 kg-Stück, das für mich modelte, brauchte nach dem Anbraten in Butter etwa zwei Stunden bei 60°C, wozu ich es in der Pfanne gelassen und gedeckelt habe. Bereits jetzt kommt der Bratenfond dazu, der sich dann mit dem Bratensatz vom Schweinelachsbraten verbindet.

schweinebraten tawny portwein johannisbeer bratensauceGenau dieser Bratensatz gibt eine tolle Basis für die spätere Sauce. Der Braten wird rund 2 Stunden Hitze brauchen, mit der Bratensauce kannst du nach 1 3/4 Stunden beginnen. Falls nötig, gibst du etwas mehr Bratenfond in die Pfanne. Ein Schuss Orangensaft mit der Zeste frischt die Sache auf. Jetzt kommt der Portwein, die Johannisbeeren brauchen nur 10 Minuten sanfte Hitze. Sonst werden sie zu blass und langweilig. Falls du willst, gib die sehr fein gehackten Minzblätter ganz zum Schluss dazu. Dadurch zieht die Sauce noch in die Bratenkruste ein und färbt sie ein kleines bisschen ein. Das wird den Johannisbeeren stehen.

braten portwein-johannisbeer-sauce polenta knödelNun gehören zu einem guten Braten mit einer raffinierten Portweinsauce ja auch Beilagen. Nach einer Runde Kopfzerbrechen, was einer so genialen Sauce das Wasser reichen kann, bin ich auf Knödelförmiges gekommen. Nicht, dass der Mann etwas auf dem Teller vermisst, denn manchmal weiß er Leckerchen wie aus Omas Rezeptbuch zu schätzen.

marques campoalto portwein johannisbeer minze bratensauceDie guten, alten Kartoffelklöße wären dem Mann zwar recht gewesen, aber ich bin nur sehr gelegentlich scharf drauf. Eine Person der Kategorie „Verwandte und sonstige Leute, mit denen man zwangsweise verkehren muss“ meinte es einmal wirklich nur gut mit mir und riss sich den Allerwertesten auf, dem „Mädel aus Bayern“ (also mir) Kartoffelknödel zu organisieren. Das war wirklich lieb! Das Problem: ich bekam sie nicht herunter. Es waren die Fertig-Brocken aus der Tüte und sie schmeckten mir überhaupt gar nicht. Es tat mir aufrichtig leid und wahrscheinlich war sie mir auch ganz schön böse.

marques campoalto portwein schweinebraten johannisbeeren polenta-parmesan-lnödelSeitdem bin ich auch mit Knödeligem sehr vorsichtig. Wahnsinn, was man alles aus der Tüte kaufen kann…

Aber da war ja noch übriges Polenta in der Küche, das mich beim Kopfzerbrechen inspirierte. Polenta kann man doch formen. Polenta kann man außerdem echt lecker machen. Zum Beispiel mit Parmesan und frischen Kräutern. Gesagt, getan. Mit einer runden, kleinen Kaffeetasse, die du vorher mit Wasser ausspülst und nicht abtrocknest, bekommst du aus dem fertigen Polenta ziemlich gut aussehende Knödelchen. Die feuchte Oberfläche in der Kaffeetasse sorgt dafür, dass die Polenta nicht an der Tasse haften bleibt. Falls sie etwas mehr Motivation braucht, um als fertiger Knödel da herauszukommen, schiebst du rundherum an den Wänden ein kleines Messer zwischen Polenta und Tassenwand – spätestens dann zieht die Polenta freiwillig aus der Tasse aus.

marques campoalto portwein tawnyDie Polenta-Knödel saugen die Portwein-Johannisbeer-Sauce weit besser als ein oller Kartoffelkloß auf und schmecken mit ihr zusammen noch eine Stufe besser als pur. Gerade die Süße des Portweins und die sauren Johannisbeeren harmonieren toll zum Polenta-Grundgeschmack. Der eher schlanke Schweinebraten wird nicht allzu viel Bratensauce mehr aufnehmen, als in ihn eingezogen ist (es sei denn, du magst die fettigeren Stücke), daher passen die Polenta-Ersatzknödel doch ganz gut zu diesem Rezept.

polenta-parmesan-kloesse schweinebraten johannisbeer-portwein-minze-sauceFalls vom Fleisch etwas übrig bleibt, lässt sich der Rest erwiesenermaßen aufbewahren. Die Portwein-Johannisbeer-Bratensauce schmeckt auch kalt ganz gut, aber sie lässt sich vorsichtig und mit nicht zu viel Hitze genauso gut wieder aufwärmen. Falls du wie ich kein Fan von kalter Sauce bist.

polenta-parmesan-klöße zu schweinebratenDie Polenta kannst du übrigens auch gut weiter verwerten, wenn du zu viel davon gemacht hast. Nimm den Parmesan dann nur für die Menge, die du für die Knödel brauchst. Den übrigen Rest kannst du in Talerform bringen und braten, grillen oder backen, oder du hast was für eine Breakfast Bowl am Morgen nach dem Braten. Auch etwas, was ich unbedingt noch ausprobieren muss.

portwein-bratensauce johannisbeeren schweinebraten polentaWas ich dagegen nicht mehr ausprobieren muss, sind auf den ersten Blick raffiniert wirkende Bratensaucen, die sich dann als geschmackliche Ernüchterung entpuppen. Da ich den Portwein ja zum Ausprobieren bekommen habe, war der erste Bissen Schweinelachsbraten schon ein Bitte-schmecke-jetzt-gut-Moment. Umso besser der Moment, in dem klar wurde: das ist ein Bratenrezept in Blog-Qualität. Eines, das wirklich, wirklich gut ist. Nicht naja-einmal-essen-kann-man-das-gut, sondern wir-werden-das-wiederholen-gut. Optisch macht er ohne viel Food Styling schon durch die Johannisbeeren und die Farbe der Polenta-Knödel was her. Du kannst ihn somit auch für Gäste machen und brauchst nicht einmal einen Übungslauf. Obwohl… doch, brauchst du! Nur zum Vorkosten, natürlich. 😉 (Komm schon, mehr Braten für dich!)

portwein-bratensauce johannisbeerenAn dieser Stelle will ich mich lippenleckend noch einmal bei Marqués Campoalto für die beiden Portwein-Fläschchen bedanken, die ich zur Portwein-Johannisbeer-Sauce durfte. Dass es so schwierig ist, gerade Weine und Liköre, die man zum Kochen gelegentlich verwendet, in einer sinnvollen Menge zu bekommen, wundert mich umso mehr, jetzt, da ich Marqués Campoalto kennen gelernt habe. Umso mehr habe ich mich gefreut, Qualität und realitätsnahe Mengen in die Finger zu bekommen.
Werbehinweis: Dieser Post entstand für Marqués Campoalto, es wird mehrfach darauf verlinkt. Der Portwein wurde mir zudem zur Verfügung gestellt.

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Portwein-Schweinebraten mit Polenta & Johannisbeer-Sauce
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Den Braten waschen, salzen und pfeffern und in reichlich Butter von jeder Seite anbraten. Anschließend die Hitze auf 60°C reduzieren, mit 200 ml Bratenfond übergießen und 2 Stunden braten.

1l Wasser mit Salz aufkochen und die Polenta 20 Minuten auf schwacher Hitze köcheln lassen. Dann von der Hitze nehmen, bei Bedarf Wasser nachgießen und 2 EL Butter unterrühren. Weitere 10 Minuten stehen lassen. Anschließend Parmesan und Kräuter unterrühren und beiseite stellen.

Den Schweinebraten nach 1 3/4 Stunden mit restlichem Bratenfond begießen und die Hitze höher stellen. Orangensaft und Zeste in die Sauce geben. Mit Portwein ablöschen. Johannisbeeren maximal 10 Minuten dazugeben. Zum Schluss die Minzblätter unterrühren und nach Geschmack salzen & pfeffern.

Die Polenta in eine angefeuchtete Kaffeetasse füllen, mit dem Löffel plattdrücken und auf Teller verteilen. Falls sich die Knödel schlecht aus der Tasse lösen, mit einem flachen Messer an den Seiten der Tasse entlangfahren.

Den Schweinebraten von der Hitze und aus der Sauce nehmen, in Scheiben schneiden und sofort servieren.

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